Warum trainieren wir

Aus diesen Schlagzeilen, Zitaten und dem Wissen aus der Berufswelt, treten also bei der täglichen Behandlung und Betreuung von Patienten immer wieder Komplikationen und Zwischenfälle auf. Für bis zu 80% dieser Situationen sind jedoch nicht mangelndes medizinisches Wissen oder Können verantwortlich, sondern Schwierigkeiten im Bereich der menschlichen Faktoren.

Leider gilt in medizinischen Arbeitsbereichen häufig immer noch folgende Annahme: „Wer gut ist, macht keine Fehler.“ Sicherheit und gute Teamarbeit wird als eine Folge von Können und Erfahrung interpretiert.
 
Allerdings kann jeder medizinische Mitarbeitende – unabhängig von Erfahrung und Hierarchiestufe – zu jeder Zeit einen Fehler oder ein ungünstiges Verhalten oder Entscheidung machen. Folgerichtig muss auch die Prävention und das Management von ungünstigem Verhalten und Zwischenfällen ein zentraler und routinemäßiger Bestandteil medizinischen Wissens und Handelns sein. Die systematische Erhöhung der Sicherheit und optimierte Teamarbeit setzt ein Umdenken, einen aktiven Umgang mit Zwischenfällen, sowie eine lebbare Sicherheitskultur voraus.

Wir bemühen uns in der Simulation nicht von «Fehlern» zu reden. Viel mehr verwenden wir den Begriff Zwischenfall. Fehler sind grundsätzlich negativ behaftet. Fehler wollen wir nicht. Fehler dürfen nicht passieren. Fehler liegen nah an Schuldzuweisungen an Einzelne. Und sicher mache ICH keine Fehler. Nun wissen wir aber, dass sogar sehr viele «Fehler» in der Medizin passieren und die Kultur und deren Umgang damit noch viel Potenzial hat.

Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass alle nach ihrem besten Wissen, Gewissen und Können jederzeit am Patienten arbeiten. Dennoch geschehen eben Zwischenfälle. Wenn wir sie nicht als unabdingbare Fehler, Schuldzuweisungen und Fehlverhalten von Einzelnen ansehen, sondern als Zwischenfälle, die wir gemeinsam im Debriefing analysieren und schauen warum es so weit kommen konnte und wie viele verschiedene Bausteine von ganz vielen einzelnen Einflussfaktoren dazu beitragen, dass ein fataler Zwischenfall passieren kann, gelingt es, eine vertrauensvolle offene und sichere Lernumgebung zu schaffen, in der eine neue Kultur und Umgang mit Zwischenfällen entstehen und wachsen kann.

Erwähnenswert bleibt, dass in einer Studie von Moffatt et al gezeigt werden konnte, dass Simulationen und die Implementierung von CRM und NTS im Klinikalltag einen absolut positiven Effekt auf die Gesamtausgaben ergibt.

(Quellen: St. Pierre, Michael, Hofinger, Gesine & Buerschaper, Cornelius: Notfallmanagement. Human Factors und Patientensicherheit in der Akutmedizin. 2. Auflage, Verlag Springer, Berlin Heidelberg 2011 sowie Rall, M, & Lackner, CK. (2010): Crisis Resource Management (CRM). Der Faktor Mensch in der Akutmedizin. – In: Notfall & Rettungsmedizin, 13, 349-356.)